Werkstatt-Tag „Macht- und traumasensible Sprache in Gottesdienst und Spiritualität“
24. März 2026
Foto: Ingeborg Löwisch
Sprache kann heilen – oder verletzen. In dieser Werkstatt erkunden wir, wie wir in Gottesdiensten und spirituellen Räumen achtsam mit Erfahrungen von Macht und Ohnmacht umgehen können. Wir fragen, wie Sprache Menschen mit Erfahrungen von Gewalt und sexualisierter Gewalt Raum geben kann – ohne zu überfordern. Wie können Zweifel, Verletzlichkeit und Hoffnung nebeneinander Platz finden?
Impulse, Austausch und praktische Übungen laden dazu ein, neue Ausdrucksformen zu entdecken. Wir erarbeiten Werkstücke in machtsensibler Sprache. Ein Tag, um Gottesdienste und andere spirituelle Anlässe in Gemeinden und weiteren kirchlichen Arbeitsfeldern in den Blick zu nehmen, fachgerecht, sensibel, menschengemäß.
27. März 2026, 10.00 Uhr – 16.00 Uhr | Kiel, Veranstaltungszentrum Kiel, Faluner Weg 2 | Anmeldung an info@christianjensenkolleg.de
Veranstalterinnen: Evangelische Akademie der Nordkirche mit dem Beteiligungsforum der EKD, der Stabsstelle Prävention Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt der Nordkirche, dem Gottesdienstinstitut der Nordkirche, dem Christian Jensen Kolleg, dem Kirchenkreis Nordfriesland, der Offenen Kirche St. Nikolai Kiel
Literaturliste: PDF mit Referenzen und Online-Links
Zusammengestellt von Ingeborg Löwisch, Matthias Schwarz und Christiane Kolb
Workshops:
1. Traumasensible Gottesdienste. Erfahrungsberichte und Hinweise für die eigene Praxis, Dr. Kristina Augst
Im Rahmen des Nürnberger Kirchentags wurde ein heilsamer Gottesdienst nach Gewalterfahrungen für solidarische und betroffene Menschen mit Stationen zum „Gestärkt-Werden“ gefeiert. Vorbereitet und geplant wurde der Gottesdienst von Natalie Ende, Doris Joachim (damals beide Zentrum Verkündigung der EKHN) und Kristina Augst. Im Zentrum des Gottesdienstes standen verschiedene Stationen zu Auseinandersetzung mit Trauma und Heil. Gemeinsam kann auf die damalige Vorlage geschaut, diese kritisch reflektiert und dann mögliche eigene gottesdienstliche Elemente gestaltet werden.
2. Macht- und traumasensibel Abendmahl feiern, Anne Brisgen, Zentrum für ev. Gottesdienst- und Predigtkultur, Wittenberg, Dr. Ingeborg Löwisch, Gottesdienstinstitut der Nordkirche
Beim Abendmahl sind zentrale Fragen von Macht- und Traumasensibilität berührt. Wie begegnen wir einander in der Mahlgemeinschaft? Welche safe spaces gibt es – gedanklich und örtlich? Welche Worte benutze ich: Eröffnen sie eine Begegnung oder verschließen sie Resonanzachsen?
Es ist Zeit und Raum im Workshop, die einzelnen Elemente der Mahlfeier in ihrer leiblichen und sprachlichen Dimension zu reflektieren und an Sprache und Formen konkret zu arbeiten.
3. Rassismuskritisch Spiritualität gestalten, Joy Devakani-Hoppe, Pastorin im Kirchenkreis Hamburg-West / Südholstein
Die Bibel erzählt von sichtbaren und unsichtbaren Akteur*innen, von erwählten und nicht-erwählten Gruppen, von Machtverhältnissen zwischen Israel und den sogenannten Heidenvölkern. In diesen Spannungsfeldern wirken bis heute Narrative von Zugehörigkeit und Ausschluss, von Privilegierung und Marginalisierung.
In diesem Workshop werden Werkzeuge für eine rassismuskritische Bibellektüre und Spiritualität vermittelt. Es geht nicht nur um Fragen von Gerechtigkeit, sondern um Gerechtigkeit im Sinne gerechter Beziehungen – um eine Spiritualität, die Machtverhältnisse reflektiert und transformiert.
Die Sprache der Bibel ist kraftvoll und wirkmächtig. Wie lesen wir sie aus der Perspektive derer, die im Namen heiliger Texte systematisch unterdrückt wurden? Wie gestalten wir Spiritualität so, dass sie nicht ausgrenzt, sondern Räume der Würde, der Selbstermächtigung und der solidarischen Gottesbeziehung eröffnet?
Der Workshop lädt dazu ein, vertraute Texte neu zu hören, Leerstellen wahrzunehmen und gemeinsam Formen einer rassismuskritischen Spiritualität zu entwickeln.
4. Heilsam oder belastend – ein traumasensibler Blick auf neue und alte Kirchenlieder, Jasmin Zaboli, Kirchenmusikerin Hamburg Harvesterhude
Musik ist essenziell und wirkmächtig – sie berührt Körper und Seele, schafft Gemeinschaft und bleibt tief im Gedächtnis. Der praktische Workshop fragt daher aus traumasensibler Perspektive, wie alte und neue Kirchenlieder (Gregorianik bis Pop) zwischen Trost, Resonanz und möglicher Überforderung wirken. Wir reflektieren Sprache, Gottesbilder und Machtstrukturen und fragen, was wir aus der Praxis der Psalmodie mit ihrem dialogischen, hörenden Charakter lernen können.
5. Wie Haltung die Sprache prägt, Christiane Kolb,Öffentlichkeitsarbeit Stabsstelle Prävention – Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt, Susanne Garsoffky, Öffentlichkeitsarbeit Kirchenkreis Nordfriesland
Vor der Sprache kommen das Denken und die Emotionen. Aus beidem entwickelt sich dann eine Haltung. Im Umgang mit sexualisierter Gewalt in der Kirche braucht es hierfür Selbstreflexion, Akzeptanz und Verantwortungsbewusstsein. Der Workshop bietet Einblick in Taten, Folgen für Betroffene und leitet ein in die Selbstreflexion. Das ebnet den Weg zu einer angemessenen Haltung und Sprache.
Ansprechperson für das das Thema „Macht- und traumasensible Gottesdienstkultur“ in unserem Arbeitsbereich ist Ingeborg Löwisch: ingeborg.loewisch@gottesdienstkultur.nordkirche.de
Ingeborg Löwisch, Gottesdienstinstitut