Prädikantenarbeit

Prädikantin Anja Bergemann

Predigtpreis für Prädikantin der Nordkirche

Prädikantin Anja Bergemann aus Carlow (Mecklenburg) hat beim Predigtwettbewerb  der Monatszeitschrift PASTORALBLÄTTER den 2. Preis gewonnen. Insgesamt 53 Prädikantinnen und Prädikanten aus allen Landeskirchen der EKD beteiligten sich an dem Wettbewerb für Ehrenamtliche im Verkündigungsdienst.

Anja Bergemann ist seit 10 Jahren Prädikantin in der Nordkirche und war bis 2020 Sprecherin der Prädikant*innen der Nordkirche und Mitglied im Prädikantenausschuss. Außerdem ist sie Teil des Ausbildungs-Teams für die Ausbildung der Lektorinnen und Lektoren in den Kirchenkreisen Mecklenburg und Lübeck-Lauenburg.

Ihre preisgekrönte Predigt zum 6. Sonntag nach Trinitatis erzählt Geschichten von Krisenerfahrungen zwischen Job und Corona-Depression im Jahr 2021, aber auch von den Sorgen und Ängsten der Jünger und Jüngerinnen Jesu in biblischer Zeit.

Alltagsnah und konkret möchte die Prädikantin predigen, die in ihrem Hauptberuf technische Zeichnerin ist. Diesen Anspruch teilen vermutlich die meisten Profis im Verkündigungsdienst. Wie unterscheiden sich also die Predigten von Prädikant*innen und Pastor*innen? Lässt sich dieser Unterschied beschreiben? Macht es Sinn, dass es einen Predigtpreis für Prädikant*innen gibt? Oder liegt dahinter doch die Annahme, dass die Predigten von Prädikant*innen mit denen der studierten Profis nicht konkurrieren können? Über diese Fragen lässt sich diskutieren. Sie können uns gern dazu schreiben (z.B. an claudia.suessenbach@gemeindedienst.nordkirche.de).

Fest steht jedoch: Prädikant*innen haben in der kirchlichen Verkündigung mittlerweile eine festen und anerkannten Platz.  Das macht dieser Wettbewerb deutlich. Und wir im Team der Prädikantenausbildung der Nordkirche sind stolz auf „unsere“ Prädikantin Anja Bergemann und gratulieren ihr von Herzen!

Claudia Süssenbach

Epistelprojekt: Gemeinden schreiben einander Briefe

Die biblischen Paulus-Briefe dienten der Stärkung im Glauben. In diesen Episteln wurden praktische Fragen des Glaubenslebens der ersten christlichen Gemeinden beantwortet. Manchmal waren es auch Briefe, die zur Ordnung riefen und Weisungen enthielten – wenn z. B. Paulus erfahren hatte, dass sich in einer der von ihm gegründeten Gemeinden nicht alles gut entwickelte.

Jetzt – Jahrhunderte später – greifen wir dies mit dem Epistelprojekt an den Sonntagen zwischen Ostern und Pfingsten wieder auf: Jeweils eine Gemeinde schreibt einen Brief an die anderen beteiligten Gemeinden. Es geht darum, Brücken zu schlagen von Gemeinde zu Gemeinde und einander zu stärken in den Zeiten der Pandemie.

Bei den Empfängern wird der Brief dann in unterschiedlicher Form weitergegeben: Der Brief wird anstelle des Episteltextes oder in den Abkündigungen im Gottesdienst verlesen, oder er wird „an die Wäscheleine“ mit den Andachtstexten des Sonntags gehängt. Manchmal wird er auch einfach weitergegeben: im Gemeindeverteiler, an Gremienmitglieder und Hauskreise, auf der Internetseite der Gemeinde.

An diesem ersten Epistelprojekt im Osterfestkreis sind Gemeinden der Kirchenkreise Hamburg-Ost und -West, die Kirchengemeinde Munster der Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers sowie der Kirchenkreis Falkensee der Evangelischen Kirche Berlin – Brandenburg – schlesische Oberlausitz beteiligt.

Für Rückfragen stehen Pastorin Meike Müller-Bilgenroth (Ev.-Luth. Kirchengemeinde Munster, 0 51 92 / 57 57, meike.mueller-bilgenroth@evlka.de) und Prädikant Prof. Dr. Enno Stöver (Ev.-Luth. St. Petrus Kirchengemeinde Hamburg-Heimfeld, 040 77 15 00, enno.stoever@gmx.de) gerne zur Verfügung.

Enno Stöver

Pantomime-Performance als Baustein für digitale Oster-Gottesdienste

Kunst und Kultur können unsere Gottesdienste auch über die Kirchenmusik hinaus bereichern. Das ist keine neue Erkenntnis. Es entstehen neue, überraschende Sichtweisen, wenn ein Pantomimen, eine Erzählkünstlerin oder Puppenspielerin einen Predigttext zur Sprache bringt.

Der Pantomime-Künstler Christoph Gilsbach hat gemeinsam mit Markus von Hagen, Rezitator, drei berührende pantomimische Szenen für die Kar- und Ostertage entwickelt. In seiner Predigt ohne Worte erzählt er wie Menschen mit Todesangst umgehen, wie sie die Abgründigkeit des Todes annehmen und wie sie im Tod vom Leben zum Leben gelangen.

Drei YouTube-Trailer

Die beiden Künstler hatten den Wunsch, in diesen herausfordernden Zeiten einen künstlerischen Osterimpuls zur Verfügung zu stellen. Deshalb haben sie drei kurze Filme für Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag produziert, die diese pantomimischen Szenen jeweils mit einem kurzen geistlichen Impuls zur Einleitung verbinden.

Gemeinden, die digitale Gottesdienst-Formate für die Kar- und Ostertage planen, können diese drei Trailer als Predigt-Bausteine nutzen. Aber auch in analogen Gottesdiensten sind die Filme gut einsetzbar.

Da die Erstellung der Filme mit einigen Kosten verbunden war, freuen sich die Akteure über eine Spende für ihre Arbeit. Eine Spende ist keine Bedingung für die Nutzung der Filme, bedeutet aber eine Wertschätzung der künstlerischen Arbeit. Außerdem ist solch eine Spende Ausdruck der Solidarität in diesen Zeiten, in denen Künstler so gut wie kein Einkommen haben.

Die YouTube-Links zu den drei Einzel-Filmen sind erhältlich über Christoph Gilsbach – Zauberer & Pantomime: mail@christophgilsbach.de, ebenso eine Kontoverbindung für mögliche Spenden.

Die Gesamtproduktion ist hier zu finden:

Auch über Ostern hinaus können Kirche und die Künste der kleinen Form einander inspirieren:

Christoph Gilsbach ist schon seit  Jahren ein gern gesehener Gast in vielen Kirchengemeinden. Er bringt seine Pantomime-Stücke in Kirchen auf die Bühne und ist ein gefragter Referent für Vorträge, Workshops und Matineen. Mehr Infos über seine Arbeit gibt es hier: www.gilsbachdasleben.de oder auf www.kleinkunstkirche.de.

Claudia Süssenbach

Hoffnung? Oder Kampf?

Stellen Sie sich vor, die Firma BioNTech /Pfizer stiftete der Bundesrepublik eine Million Euro für ein Denkmal, das die Überwindung der Pandemie vergegenwärtigte. Eine Kommission unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten sichtete künstlerische Entwürfe und schließlich würde in der Hauptstadt eine Skulptur eingeweiht unter dem Titel: „Kampf“ – wäre das angemessen?

1869 vermachte Günther Ludwig Stuhlmann seiner „Vaterstadt Altona“ in einem Testament rund 75.000 Mark Courant für ein städtisches Leichenhaus, für einen neuen Turm für die Ottenser Christianskirche, für einen öffentlichen Garten sowie einen Springbrunnen, der erst 31 Jahre später mit einer monumentalen Brunnen-Skulptur realisiert wurde.

Zu Pfingsten des Jahres 1900 wurde in Altona diese Skulptur eingeweiht. Der Titel: „Kampf“. Zu sehen ist der dramatische Kampf zweier Mischwesen aus Pferd und Mensch um einen großen Fisch, aus dessen Maul sich die Hauptfontaine des Brunnens erhebt. Vom Brunnenrand her speien ein Wassergott, eine Nymphe und Echsen weiteres Wasser in die Mitte. Dieser „Kampf“ ist immer wieder auf die Rivalität von Altona und Hamburg gedeutet worden. Dabei ging es wohl nicht nur um Fischfang und –verarbeitung, sondern vor allem auch: um die „Wasserkünste“. Und um eine Epidemie und ihre Bewältigung.

Denn der Stifter dieses Brunnens, Günther Ludwig Stuhlmann, war Gründer und Direktor der Altonaer Gas- und Wasseranstalt AG. Auf seinem Grundstück in Neumühlen wollte er ein Wasserwerk für Altona errichten, ließ sich aber von William Lindley beraten, das Wasserwerk in Blankenese zu bauen und in Altona nur die Gasanstalt. Die Konkurrenz zwischen dem filtrierten Wasser, das vom Baurspark bis zum Bahnhofsplatz in Altona floss, und dem unfiltrierten Wasser auf der Hamburger Seite zeigte sich auf fatale Weise in der Choleraepidemie von 1892, als das saubere Wasser aus Altona half, Leben zu retten.

„Die Straße Schulterblatt wurde auf der einen Seite durch die Altonaer Wasserleitung mit filtriertem und auf der anderen Seite durch die Hamburger Leitung mit unfiltriertem Elbwasser versorgt. Während auf der hamburgischen Seite die Cholera rasch um sich griff, blieben die mit Altonaer Wasser versorgten Einwohner von der Krankheit verschont.“ (A. Meng, Geschichte der Hamburger Wasserversorgung, S. 137-139). Die Straßenseite entschied darüber, welches Kind gesund blieb und welches nicht.

Wir wissen noch nicht, wie die gegenwärtige Pandemie einmal erinnert werden wird. Aber es liegt an uns jetzt, ob das Stichwort „Kampf“ den Titel bestimmen wird – oder vielleicht ein Wort wie „Hoffnung“. Dies entscheidet sich auch an der Präsenz der Kirche in diesen Zeiten – Stichwort: „Hoffnungswege“.

Andreas Wandtke-Grohmann

Kleine Brötchen backen

Viele Konditoreien und Cafés haben zur Zeit geschlossen. Zum Glück sind die Bäckereien geöffnet. Ich bin froh, dass Lebensmittelgeschäfte nicht schließen – aus Angst, man könnte sich bei ihnen in der Warteschlange anstecken. Ebenso Tankstellen und Apotheken.

Die Kirchengemeinden müssen sich entscheiden, ob sie Konditoreien sein wollen oder Backshops. Auf Sahnetorte kann man verzichten – auf Brot nicht. Sind Gottesdienste Luxus oder geistliche Grundversorgung?

Wenn in dieser Phase der Pandemie die Gottesdienste erlaubt sind, dann vermutlich, weil man eine bestimmte Erwartung an sie hat. Dass sie nämlich etwas beitragen können, diese Zeit gut durchzustehen. Dass sie Menschen in der Seele ernähren können. Und dass man nicht leichtfertig darauf verzichten kann.

Wer Angst hat, der kann nicht wirklich Gottesdienste feiern. Wer sie als Sahnehäubchen versteht, kann auf sie verzichten. Der Gemeindedienst unterstützt Prädikantinnen und Prädikanten, die spirituelles Schwarzbrot backen wollen – gerade auch in schweren Zeiten.

Andreas Wandtke-Grohmann

Die Gottessprecherin

Eine Gemeindepädagogin erzählt: „Da war ein Kind, das wusste in einem Moment meinen Namen nicht mehr. Da hat es mich genannt: die Gottessprecherin.“ Die von Gott spricht. Die im Namen Gottes spricht. Die spricht, und dann ist Gott da.

Die Gemeindepädagogin erzählt den Kindern von St. Martin und vom Nikolaus. Sie singt und kennt Gebete. Sie hört gut zu und fragt die Kinder, wie es für sie ist, wenn Gott da ist. So einfach kann das sein, auch für Erwachsene. Das genügt: dass Gott da ist im Reden und Hören, in der Musik und in den Liedern. Und in dem Gesicht eines Menschen, der selber von Gott angerührt ist.

Unsere Gottesdienste brauchen viel weniger Worte. Dafür solche, die Gott mitbringen. Es müssen nicht immer Pastoren sein, die das tun. Es braucht Gottessprecherinnen und Gottessängerinnen, Gottesschweigerinnen und Gotteszeigerinnen.

Zunehmend bekommen Gemeindepädagoginnen und Diakone den Auftrag, Gottesdienst zu feiern und zu predigen. Dazu gibt es im kommenden Jahr auch eine Fortbildung, bezahlt vom Kirchenamt.

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